Diktaturen

Das Solo-Programm zum Thema Diktaturen entstand eigens für das gleichnamige Festival in Heidelberg im Oktober 2017.

Es bezieht sich auf zwei Diktaturen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Stefan Litwins Stück Lyon 1943 ist ein Reflex auf Franz Liszts Klavierstück Lyon, eine Hommage an den Weberaufstand von 1843. Die Stadt Lyon gewann im 2. Weltkrieg neue Bedeutung: sie wurde zur Capitale de la Résistance. Deren Anführer Jean Moulin wurde auf Betreiben des damaligen Gestapochefs Klaus Barbie verhaftet, gefoltert und ermordet. Barbie wurde seinerseits 1987 in Lyon der Prozess gemacht.

Im zweiten Teil des Programms stehen Werke von Dmitri Schostakowitsch, Mieczysław Weinberg und Galina Ustwolskaja, die ihre künstlerischen Positionen innerhalb des Stalinismus zu beziehen hatten. Weinberg war Opfer zweier Diktaturen: Als Jude floh er vor den Nazis aus Polen Richtung Osten. In der Sowjetunion waren er und seine Familie weiterhin verfolgt, sein Schwiegervater wurde von Stalins Geheimpolizei ermordet.

Schostakowitschs Präludium und Fuge d-moll op. 87, II/8, auf das sich Weinberg in seiner 6. Sonate thematisch explizit bezieht, und Präludium und Fuge c-moll op. 87, II/12 bilden jeweils die Bindeglieder zwischen den drei Monolithen Litwin – Weinberg – Ustwolskaja, deren jeweilige Sprache unterschiedlicher nicht sein könnte.

Stefan Litwin 
Lyon 1943 (Piéce de Résistance) (1999/2000)
Dmitri Schostakowitsch  
aus: 24 Präludien und Fugen op. 87, Bd. II (1951)
Präludium und Fuge d-moll
Mieczysław Weinberg 
Sonate Nr. 6 d-moll op. 73 (1960)
Adagio – Andante – Adagio
Allegro molto
 Dmitri Schostakowitsch  
aus: 24 Präludien und Fugen op. 87, Bd. II (1951)
Präludium und Fuge c-moll
Galina Ustwolskaja
Klaviersonate Nr. 5 in 10 Teilen (1986)